|
Home Bucher-Video-DVD News Aktuelle_Aktivitäten 1996-2000 2005 2006-2007 2008 Terminkalender Archiv Pressefotos Forum Ihre Werbung Impressum |
2005: "Die Heimkehr des Dschingis Khan" - Teil 1Am 13. März erfolgte der Start.
Vorangegangen waren nervenaufreibende, hektische Aktivitäten, denn es sollte ja ein Aufsehen erregender Start werden. Schließlich standen wir verschiedenen Sponsoren in der Verantwortung.
Das gelang nicht vollständig. Protestanten, Katholiken, Moslems und Buddhisten kamen und spendeten ihren Segen mit bewegenden Worten und Gebeten. Leider hatten Vertreter des jüdischen Glaubens abgesagt. Aber Vertreter verschiedener Medien waren gekommen. Zeitungsreporter verbreiteten ein Blitzlichtgewitter, ein Hörsender nahm ein ausführliches Interview und die Filmkameras zweier Fernsehsender surrten ununterbrochen. Bewegende Worte auch eines Bundestagsabgeordneten und viele Glückwünsche von Messebesuchern und Passanten. Als Höhepunkt schließlich eine mongolische Delegation in ihren farbenprächtigen Kostümen. Sie überreichten uns mongolische Bekleidung, die für den Winter in Zentralasien wohl am besten geeignet wäre. Die Zeremonie ihres traditionellen Milchopfers zum Abschied war besonders bewegend.
Die Pferde waren inzwischen nervös geworden. Der Trubel um sie herum war es aber nicht, den kannten sie längst. Anders verhielt es sich mit den vielen Flaggen hoch über ihnen, die heftig im starken Wind ohrenbetäubend knatterten. Als wir endlich in die Sättel steigen konnten, spürten wir deutlich ihre Unruhe. Und nun dieser Autoverkehr! Vom Messegelände sollte es reitend zum Brandenburger Tor gehen und das sind einige Kilometer. Auf mehrspuriger Hauptverkehrstraße durch diese turbulente Stadt. Der Süden Brandenburgs war schnell durchquert und Dresden bald erreicht. In der Altstadt sollte es einen erneuten Auftritt geben: Der Ritt von der Semperoper zur Frauenkirche. Auch das bewältigten wir mit nervösen Pferden. Hier war es vor allem die um die Kurven kreischende Straßenbahn. Wie schön waren dagegen die Ritte auf Wald- und Feldwegen in der freien Natur, abseits lärmender Städte. Doch diese sind selten geworden, wo durch Landkollektivierung in sozialistischen Zeiten die Ackerflächen zusammengelegt riesengroß wurden. Dies bekamen wir besonders nicht nur in Sachsen, sondern auch in Tschechien zu spüren. Kurzer Stopp in Prag, wo Freunde ein Zusammentreffen mit Mongolen organisiert hatten, dann weiter nach Österreich. Bereits an der Grenze wurden wir von österreichischen Freunden erwartet und in Empfang genommen. Perfekt organisierte Durchquerung Ostösterreichs mit vielen Höhepunkten, wie z.B. der eskortierte Ritt in der Wiener Altstadt vom Rathaus zum Stephansdom. Dort erneute, beeindruckende Segnung der Pferde durch den Dompfarrer vor großem Publikum. Schließlich erneute Grenzüberquerung nach Ungarn. Wie angenehm die Grenzübertritte innerhalb der EU doch sind! Passkontrolle bestenfalls, meist nicht einmal das. Ach wäre dies doch überall so! Dabei war die Einreise nach Rumänien noch ein Kinderspiel. Auch Bulgarien war noch relativ einfach, scheinbar lag dies allerdings an Grenzbeamten, die noch keine Erfahrung mit der Einreise von Tieren hatten, denn später fuhr mir der Schreck in die Glieder, als mir mitgeteilt wurde, was alles falsch gelaufen war. Das hat manche bange Wartestunde an verschiedenen Grenzen gekostet, mehrfach waren wir regelrecht „illegal“ eingereist. Ein vorläufiger Höhepunkt allerdings wartete an der türkischen Grenze auf uns. Ach wie einfach war es doch auf meiner ersten Expedition vor einigen Jahren und wie viel hatte sich inzwischen verändert. Vogelgrippe, BSE und andere Tierseuchen hatten Veterinäre weltweit verunsichert, Regierungen zu extremen Maßnahmen gezwungen, das grenzüberschreitende Reisen mit Tieren enorm erschwert. Zwar war der Transport von Pferden zu sportlichen Veranstaltungen geregelt, aber zeitlich begrenzt.
Diese Zeit überschritten wir ja regelmäßig, weil wir reitend und damit langsam vorankamen und zu lange im jeweiligen Land verbrachten. Außerdem verlässt ein Sportpferd das Land wieder in die Richtung, aus der es einreiste. Wir aber wollten auf der anderen Seite des Landes weiter. So galt unsere Einreise nicht mehr als vorübergehende Einfuhr, sondern als Import. An diese Möglichkeiten hatten die Gesetzesschmiede offensichtlich nicht gedacht – zu unserem mehrfachen Ärger.
Aber da hatte ich die Rechnung ohne die Amtsveterinäre in meiner Heimat gemacht: die mussten die Genehmigung zur Rückkehr in die EU erteilen. Da meine Pferde aber inzwischen länger als 30 Tage außerhalb der EU waren, galten sie nicht mehr als Sportpferde. Außerdem galt Rumänien als „Risikoland“ und Tiere durften von hier nicht ohne entsprechende offizielle Gesundheitszeugnisse rumänischer Amtsveterinäre in die EU verbracht werden. Wie solche Zertifikate zustande kommen, interessiert dabei offensichtlich Niemanden, auch nicht die Behörde in Deutschland. Ich selbst erlebte es später und die Mitarbeiter dieser Behörde wissen es mit Sicherheit auch.
Würde ich jemals wieder meine Pferde nach Hause bringen dürfen? Eigentlich hatte ich immer Vertrauen auch in deutsches Beamtentum, schließlich hält jedes Gesetz einen Ermessensspielraum bereit. Wenn es denn Platz für Menschlichkeit in den Köpfen der Menschen gibt, ihn zu nutzen. „Wo ein Wille ist ....“
Also keine Rückkehr zunächst in die EU, keine Einreise nach Ungarn. Direkt in die Ukraine, dort habe ich ja auch noch Freunde. Tatsächlich treffe ich die noch auf der Konjuschnja von Ternopol. Und selbstverständlich helfen die mir bei der Beschaffung der Visa für Russland und Kasachstan. Ich atme auf, endlich scheint der Weg zur Seidenstraße frei zu sein. Doch es ist wie verhext! Als ich endlich die russische Grenze erreicht habe, werde ich wieder gestoppt: inzwischen hat auch Russland neue, schärfere Veterinärbestimmungen. Angepasst an die Richtlinien der EU, denn sonst dürfte Russland nicht mehr in die EU exportieren!
Nun brauchen die polnischen Grenzveterinäre nur noch eine Einverständniserklärung der Amtsveterinäre aus meinem Heimatkreis, wie damals an der ungarischen Grenze. Aber es ist bereits Freitag Nachmittag, das Amt geschlossen. Die Polen sind großzügig und erlauben mir die Einreise auf mein Versprechen hin, ihnen gleich am Montag diese Erklärung von zu Hause zu faxen.
Dies war nur ein grober Umriss der Grenzerfahrungen, Einzelheiten und weitere interessante Erlebnisse auf dieser ersten Etappe werden in einem Buch veröffentlicht, dass es nach der erfolgreichen Fortführung der „Heimkehr des Dschingis Khan“ geben wird. Klicken Sie hierzu bitte das „Archiv“ an, dort lesen Sie auch die damals unter „News“ veröffentlichten Berichte von der ersten Etappe. |