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2006 - 2007: Neues Domizil, neue Aktivitäten
Eigentlich wäre ich ja 2006 noch unterwegs: Seidenstrasse, Pamirgebirge, Taklamakan, Gobi, Ulaanbataar und zurück.
Hätte ich nicht wegen neuer Veterinärpapiere nach Deutschland zurückkehren müssen, so wäre die vorzeitige Einziehung des von Daimler-Chrysler zur Verfügung gestellten Versorgungsfahrzeugs gar nicht möglich gewesen. Ohne diesen Versorger aber war ein erneuter Aufbruch in Richtung Mongolei nicht möglich.
Nicht dass ich die Gefahren einer ungesicherten Expedition gefürchtet hätte. Als anpassungsfähiger Mensch und nur mit der Verantwortung für meine Person wäre das Problem klein und überschaubar, dies Risiko könnte ich eingehen. Aber ich wusste natürlich von den heißen Sommermonaten in Zentralasien und vor allem von den extrem harten Wintern dort. Riesige Trockengebiete ohne Wasserversorgung über Hunderte von Kilometern. Im Sommer benötigt jedes meiner Pferde mindestens 50 Liter Wasser pro Tag und genügend Futter. Gras, egal ob in grünem Zustand oder als Heu, ist allein zu wenig bei Tagesleistungen von bis zu 50 Kilometern. Und im Winter bei Temperaturen um 50° minus ist gutes Futter noch wichtiger!
Meine Pferde, ihre Gesundheit und ihr Leben, sind mir einfach zu wichtig, als das ich hierbei ein Risiko eingehen könnte. Ohne meine Pferde jederzeit ausreichend versorgen zu können, will ich lieber auf die Expedition verzichten. Jedenfalls so lange, bis sich eine neue Möglichkeit der Fortführung ergibt. Denn eine Rückkehr zu den Wurzeln „Temujins“ liegt mir immer noch am Herzen. Zu stark war der Eindruck der Mongolei auf mich bei meiner „Erdumrundung mit zwei Pferden“. Und die Sehnsucht nach einem erneuten Abenteuer wird von Jahr zu Jahr größer...
Vieles in meinem Leben hat sich seit meiner Rückkehr von der ersten Expedition verändert. Persönliche Tragödien drohten mich aus der Bahn zu werfen. Dann die großen Hindernisse beim ersten Teil der „Heimkehr des Dschingis Khan“, die mich schier zur Verzweiflung brachten: Behördenkämpfe, Sponsoren-Unverständnis. Gleichzeitig hatte ich im Rheingau inzwischen materiell alles verloren, dort konnte mich nun nichts mehr halten. Etwas musste verändert werden! Der Standort vielleicht?
Ich ging auf die Suche. Es boten sich schnell ein paar Möglichkeiten, doch ob es das war?
Gleichzeitig suchte jemand für seinen Reiterhof einen Kooperationspartner. In einer Gegend in Deutschland, die ich noch gar nicht kannte: die Fränkische Schweiz. Eine junge Frau, Diplom-Agrar-Ingenieurin, hatte vor elf Jahren einen heruntergekommenen Bauernhof gekauft und ihn zu einem Reiterhof umgebaut. Nun wuchs ihr offensichtlich die Arbeit über den Kopf. Das musste ich sehen und fuhr schnell hin.
Gesucht und gefunden! Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Manches fügt, welch verschlungene Wege das Schicksal geht. Mit meinen Pferden zusammen auf einem Hof zu leben, hatte ich mir schon immer gewünscht. Hier tätig sein zu können, mitzuhelfen. An Ausritten teilzunehmen, ja sie teilweise sogar zu leiten, macht uns Dreien richtig Spaß. Dazu noch ein so wohltuendes Betriebsklima, dass ich nur staunen kann. Zufriedene Pferde, freundliche Menschen, glückliche Reitgäste.
So etwas ist doch nicht selbstverständlich. Und doch gibt es das, hier auf diesem Hof – in einer so wunderschönen Gegend, mitten in Deutschland!
Das war es!
Und schon ist mein Tatendrang wieder erwacht. 2007 ist an eine Fortführung der „Heimkehr des Dschingis Khan“ sowieso nicht mehr zu denken. Für die notwendige Ausrüstung muss noch mancher Euro verdient werden. Vielleicht im nächsten Jahr?
Aber ich habe ja noch andere Ideen. Zum Beispiel, ein wenig Mongolei nach Deutschland zu bringen: das Leben der Nomaden zu vermitteln, ihre Musik, ihre Behausung, ihre Nahrung, ihre Geschichte.
An einem Platz soll dies geschehen, der möglichst die Ausstrahlung hat, wie ich sie im Altaigebirge empfand. Die Fränkische Schweiz mit ihren Jurabergen und -schluchten, den malerischen Felsen, geheimnisvollen Höhlen und beeindruckenden Felsgewölben scheint hierfür wie geschaffen.
Nun, der Platz ist gefunden: ein Felsgewölbe mit beeindruckender Akustik. Geprüft und für gut befunden von Ganaa, meinem mongolischen Freund, einem begnadeten Musiker und Komponisten. Sofort hatte Ganaa seine Stimme erhoben, hier traditionellen Obertongesang ausprobiert. Tief und weit tragend der Grundton aus den Tiefen seiner Kehle, überlagert vom klaren Flötenton aus seinem Zungenbeinbereich. Gänsehautfeeling beim Zuhörer!
In farbenprächtigen, mongolischen Trachten spielen vier Musiker auf ihren exotischen Instrumenten und singen ihre beeindruckenden Lieder: Das Ensemble Börte, malerisch in das Felsgewölbe eingebettet. Vor dieser, teilweise von uralten Buchen verborgen gehaltenen Kulisse unten im Tal ein Original-Nomadenzelt der Mongolen. Von weiteren Mongolen werden hier Buttertee, Hammelfleisch, Chuschur und Buuts gereicht, nebenan sind nach mongolischer Sitte Pferde angeleint und in Sichtweite können die Besucher das Bogenschießen unter mongolischer Anleitung üben.
Und als Abschluss wird den Gästen die Geschichte meines Rittes „mit zwei Pferden um die Welt“, untermalt mit vielen Bildern und exotischer Musik, dargeboten.
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