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Alles, was bisher geschah, in keine andere Kategorie passt und erwähnenswert bleibt, einschließlich der wichtigen Ereignisse auf der ersten Etappe der „Heimkehr des Dschingis Khan“, sowie der von der Zeit überholten „News“, werden hier abgelegt und bleiben für Sie nachlesbar.

2000 – 2002 Die schwere Zeit nach dem großen Abenteuer

Es war furchtbar schwer für mich nach der Rückkehr in meine Heimat Rheingau nach viereinhalb Jahren Abenteurerleben.
Das hektische Leben und die Enge bedrückten mich. Was vorher auch für mich selbstverständlich war, nämlich der tägliche Kampf, sich möglichst erfolgreich in dieser Gesellschaft zu behaupten und nach materiellen Gewinnen zu streben, erschreckten mich nun. Wie sehr hatte ich mich doch verändert... Plötzlich waren mir „Gewinn“ und „Wohlstand“ weitgehend unwichtig geworden! Das Leben im „hier“ und „jetzt“ war unbewusst in mich gedrungen, hatte meine Denkweise völlig verändert. Aber ich musste mich erneut anpassen, musste ja schließlich von irgendwas leben. Es gab viel zu tun und das war gut so, denn es lenkte mich ab. Täglich gewann ich neue Freunde, die meine Tat bewunderten und verlor alte, die mir meinen Erfolg neideten. Staunend nahm ich nun die Welt um mich herum wahr, sah alles mit ganz anderen Augen, war gelassener geworden...

Zwei schwere Schicksalsschläge in kurzer Folge brachten mich ins Wanken – waren sie der Preis für all das Glück, welches mir unterwegs zuteil geworden war?

Zuerst starb meine Frau, trotz Krankheit überraschend. Fünf Monate später starb „Panca“, meine treue Stute.
Was mich bewegte, als meine Frau nach 37-jähriger Ehe verstarb, soll in mir verborgen bleiben, diese Qual möchte ich alleine tragen. Was ich empfand, als „Panca“ starb, möchte ich jedoch nicht verbergen...

Ich wollte mich nicht unterkriegen lassen, bekämpfte meine Seelenqualen mit neuen Plänen.
Verbissen arbeitete ich um deren Verwirklichung, erlebte dankbar Erfolge und musste immer wieder Niederlagen und Rückschläge hinnehmen. „Puschkin“ und „Temujin“ gaben mir Kraft, trösteten mich und verhinderten manche Verzweiflung...

NACHRUF

„Was würdest Du tun, wenn einem Deiner Pferde unterwegs etwas passiert?“, wurde ich mehrmals vor und während der Erdumrundung gefragt.
„Ich würde aufgeben - die Reise beenden!“, habe ich geantwortet.
Die Pferde waren mir halt wichtiger, als der Erfolg. Und je länger wir zusammen waren, um so mehr wurde es mir zur Gewissheit: mich von diesen Pferden - Panca, Puschkin und später auch Temujin - jemals zu trennen, wird mir niemals möglich sein.

Dennoch kommt natürlich manchmal der Gedanke an den Verlust eines von ihnen. Schließlich sterben täglich irgendwo auf dieser Erde Pferde und ihre Besitzer lieben sie meist so sehr, dass sie vor Gram darüber fürchterliche Pein erleiden. Und dieser Gedanke ist mir so unerträglich, dass ein Grauen über meinen Rücken kriecht und ich solche Gedanken schleunigst abschüttele.
Schließlich haben wir gemeinsam diese gewaltige Reise schadlos überstanden. Was soll den Pferden jetzt schon, hier zu Hause in der „Zivilisation“ passieren? Wie überheblich!
Heimlich trage ich den Wunsch in mir, sie mögen mich überleben. Weil ich glaube, diesen Schmerz nicht ertragen zu können. Schließlich können Huzulen sehr alt werden.

Nun ist Temujin bei Peter Pfister, um etwas Neues zu lernen.
Biggi und ich reiten deshalb zur Zeit Panca und Puschkin allein im Gelände. Am Mittwoch waren es etwa zwei Stunden. Um 18:00 entlassen wir die beiden auf die Koppel. Donnerstag soll Pause sein und am Freitag fahren wir die drei Kilometer erneut zu den Pferden, um sie zu satteln.
Ich bin voller Fröhlichkeit angesichts des bevorstehenden Rittes. Mit den Halftern gehen wir zur Koppel.
Plötzlich beschleicht mich eine ungewisse Unruhe: mehrere Koppelstangen stehen schief, die Litze liegt teilweise auf dem Boden. Dahinter ist eine mit Gestrüpp bewachsene Böschung hinab zum Bach.
Puschkin steht allein und blickt uns entgegen. Wo ist Panca? Sie ist sonst immer die erste, die uns entgegen kommt. Wo ist sie!? Wieder sehe ich die Koppelstangen und die Litze.
Eine böse Ahnung schnürt mir den Hals zu! Ich eile zur Böschung.
Dann sehe ich sie - leblos am Bach liegen! „Panca!“, bricht es entsetzt aus mir heraus - immer wieder.
Ich stürze förmlich hinunter. Berühre sie zaghaft - ihr Anblick verschwimmt in meinen Tränen.
Ich möchte schreien - laut - immer wieder, doch mein Hals ist zugeschnürt!
Biggi versucht mich zu trösten, umfasst meine Schulter - langsam löst sich mein Krampf und der Kopf beginnt wieder zu arbeiten.

Ich eile zu Puschkin, während Biggi nun ihrem Schmerz freien Lauf lässt. Puschkins Augen drücken gleichsam Unruhe und Erschrecken aus - niemals sah ich diesen Blick bei ihm. Bei jedem kleinsten Geräusch, bei jeder Bewegung in der Nähe zuckt er zusammen. Ich spreche unter Tränen mit ihm, umarme seinen Hals. Wahrscheinlich über dreißig Stunden steht er hier in Pancas Nähe. Als ich dann die Litze notdürftig richte, folgt er mir und möchte die Böschung hinunter zu seiner Schwester. Nur mühsam können Biggi und ich ihn zurückdrängen.

Gemeinsam suchen wir verzweifelt nach der Ursache. Was ist nur geschehen? Keine Zeichen dafür, dass ein Kampf oder Todeskampf stattgefunden hätte. Keine Spuren auf dem Grasboden, die auf ein Toben oder Ausgleiten hinweisen. Und keine Verletzungen oder nur Abschürfungen an Pancas Körper.
Die Veterinärin vermutet später: Aorta-Abriß oder Herz-Kreislauf-Problem.
Oft waren meine Pferde während der Reise und Panca auch danach abgehört worden - nichts deutete auf ein Herzproblem hin. Auch in den letzten Tagen war sie völlig unauffällig.
Nur ein Trost bleibt uns: es war ein Sekundentod, wahrscheinlich war sie schon tot, bevor sie dort unten ankam.

Unter Tränen legen wir Puschkin das Halfter an. Widerwillig geht er mit, bleibt immer wieder stehen und dreht sich um. Und immer wieder ruft er Panca, die ihm nicht folgt - nie mehr!

Allein kann er hier nicht bleiben, ich möchte ihn zu Temujin bringen.
Beim Verladen geht er zunächst willig mit - wie immer. Wendet sich dann aber um, will zurück zu jener Unglücksstelle, an der nun Panca allein zurückbleiben muß. Immer und immer wieder erklingt sein forderndes, immer unruhiger werdendes Wiehern.
Auch, als die Klappe längst geschlossen und schließlich das Auto bereits die ersten Kilometer hinter sich hat.

Armer Puschkin! - Arme Panca!

Auf der Fahrt schnürt es mir oft den Hals erneut zu und Tränen verschleiern meinen Blick.
Nie vergessen werde ich den Anblick meiner leblosen, geliebten Panca.
Eingebrannt in meine Seele ist ihre offensichtliche Zuneigung zu mir - ihre ständige Suche nach meinen Zärtlichkeiten...
Nie mehr Panca sehen, ihre Körperwärme spüren, in ihre sanften Augen sehen, meine Nase in ihr Fell drücken und ihren Duft aufsaugen..... Nie mehr!

2002 – 2005 Ein neuer Start ins Leben

Nach vollendeter Erdumrundung war die Erleichterung groß, es geschafft, vor allem aber, die Pferde gesund und unbeschadet zurück gebracht zu haben. Ein erneutes Abenteuer anzugehen, kam mir nicht in den Sinn. Aber das währte nicht lange. Das „zivilisierte“ Leben konnte mich auf Dauer nicht befriedigen. Nach und nach entstand eine neue Idee:
„Temujin“ hieß der Mann, der Dschingis Khan war und so hatte ich ja Pancas Sohn genannt, weil er einen mongolischen Vater hat. Meine Sehnsucht nach der Freiheit mit Namen „Mongolei“ wurde fast täglich größer. Alles was ich dort erlebte, lockte mich erneut. Ich musste noch einmal dorthin! Schließlich hatte ich ja vielen Nomaden versprochen, sie wieder zu besuchen...

Aber auf einer anderen Route sollte es geschehen. Mit Temujin (Dschingis Khan) auf dessen Namensvetters 800-jährigen Spuren vielleicht?
Auf den Spuren seiner Eroberungszüge? Das würde bedeuten: Seidenstraße, Buchara, Samarkand, Taschkent, Pamirgebirge, Taklamakan, Gobi!
Na klar: große Trockengebiete, vegetationsarm oder gar –los, extreme Kälte im Winter, extreme Hitze im Sommer. Aber mit einem geeigneten Versorgungsfahrzeug in Begleitung durchaus machbar, ohne die Pferde zu gefährden. Darin hatte ich doch Erfahrung!

Wenn es mir gelingen würde, die großen Medien zu interessieren, dürften auch Sponsoren für eine umfangreiche Ausrüstung gefunden werden. Denn Highlights gab es genug: diese spektakuläre und attraktive Reiseroute und dann als Höhepunkt das Pferderennen beim Naadam in Ulan Bator zum Anlass der 800-Jahr-Feier des Bestehens der Mongolei. Hierbei könnte doch Temujin starten? Mit ausreichender Kondition, die er unterwegs bis dort hin sicherlich haben sollte!
Ein faszinierender Plan, der mich enorm reizte und auch viele Anhänger fand. Leider versagten mir nach anfänglichem Interesse die großen und entscheidenden Medien ihre Unterstützung. Sie ließen mir lediglich die Hoffnung, fertige und durch mich finanzierte Filme zu senden, weil sie das Risiko einer eigenen Investition scheuten. Leider fehlten mir die zusätzlichen Mittel für Kameramann mit Ausrüstung und Sponsoren hierfür fanden sich nicht.

Dafür hatte ich nach unermüdlichen Akquisitionen endlich eine wirklich gute Ausrüstung bereit. Und wenn ich erst einmal unterwegs war und publikumswirksame Erlebnisse berichten könnte, sollte sich doch auch in Sachen Film eine Lösung finden, so dachte ich. Also erst einmal: Start frei!

Start frei !

Endlich ist es soweit !
Der Zeitpunkt des Starts ist festgelegt:

Am Sonntag, den 13. März 2005 beginnt am Messegelände in Berlin, Hammerskjöldplatz, vor der Halle 19 am Haupteingang zur Messe um 11:00 Uhr die feierliche Verabschiedung der Expedition „Die Heimkehr des Dschingis Khan“ .

Noch ist es nur der Zeitpunkt, der nun definitiv feststeht. Der etwa einstündige Verlauf dieses Aktes und die Marschroute ist zwar geplant, ob es aus sicherheitstechnischen Gründen durchführbar sein wird, ist noch abzuklären. Jedenfalls zeigen sich die Berliner Behörden sehr kooperativ.
Wunschroute ist: Messegelände – Siegessäule – Brandenburger Tor.

Ob die Pferdesegnung durch vier unterschiedliche Religionen geschehen kann, hängt von der Bereitschaft ihrer Priester ab.
Ob der Oberbürgermeister selbst oder ein Vertreter erscheinen wird, hängt von deren Terminkalender ab.
Ob in mongolischer Tracht gestartet werden kann, hängt von der Zeit ab, in der sie in der Mongolei gefertigt und nach Deutschland gebracht werden kann.

Die Spannung wächst, die Nervosität steigt ständig an.

Die Ergebnisse der Verhandlungen mit Behörden und anderer Beteiligter werden hier in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

13. März 2005

Es ist Sonntag der 13.03.2005, 11.00 Uhr.

Auf dem Messegelände am Hammerskjöldplatz in Berlin findet z. Z. die ITB – eine Messe rund ums Reisen - statt. Vor dem Haupteingang bauen Manfred und seine Begleiterin ihr Begleitfahrzeug auf und holen Temujin und Puschkin aus dem Pferdetrailer. Interessiert bleiben die Leute stehen und erkundigen sich über das merkwürdige Vierergespann.

Es ist die offizielle Verabschiedung einer Expedition in die Mongolei und zwar auf dem Rücken zweier Pferde. Mittlerweile sind auch Kamerateams von ARD und einem regionalen Berliner Sender vor Ort. Nach und nach treffen weitere Medienvertreter von Presse und Hörfunk ein, lassen das Blitzlichtgewitter prasseln und drängen sich um Interviews.

Das Interesse an dieser ungewöhnlichen Expedition scheint riesengroß und es herrscht schließlich atemlose Stille, als Manfred zum Mikrofon greift und eine bewegende Ansprache hält. Die Menschentraube ringsum hat enorme Ausmaße angenommen, als endlich die beeindruckende Abschiedszeremonie beginnt.

Ein katholischer Pfarrer, eine evangelische Pfarrerin und ein muslimischer Imam segnen nacheinander Pferde und Reiter.

Es war Manfreds Wunsch, dass sie es gemeinsam in gegenseitiger Achtung tun, denn er wollte damit ein Zeichen für Völkerverständigung auf religiöser Ebene setzen. Leider hatte die jüdische Gemeinde, die ebenfalls eingeladen war, unbegründet abgelehnt.

Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt einer farbenprächtigen, mongolischen Delegation, die den Reitern mongolische Trachten überreichten und mit einem traditionellen Milchopfer den buddhistischen Beitrag leisteten.

Viel länger als geplant hatte die Verabschiedung der Expedition gedauert, doch endlich steigen Manfred und seine Begleiterin in die Sättel, um den langen Weg zum "Brandenburger Tor" als erste Etappe ihrer etwa 14.000 km langen Reise anzutreten.

10. April 2005

Ein gehetzter Start und vieles muss erst noch unterwegs geregelt werden. Aller Anfang ist schwer!

Deshalb und weil wir im dichtbesiedelten Europa täglich von gastfreundlichen Menschen in Beschlag genommen werden, kommen erst jetzt die ersten Meldungen von unterwegs.

Der beeindruckende Start in Berlin lag in angenehmer Erinnerung, als wir Brandenburg nach Süden durchquerten: oft über Wald- und Feldwege, selten auf Asphaltstraßen.

In Cahnsdorf kreuzten wir den Weg der ersten Expedition und waren wieder wie damals Gast bei Uwe und Margot.

Durch Sachsen war es schwieriger: Keine Brandschutzstreifen mehr am Rande der Wälder, die so angenehm waren. Und noch enger das Heranrücken der riesigen Ackerflächen an die Asphaltstraßen.

Dann großer Empfang in Dresden: Wir reiten vor zahllosen Kameras durch die wieder so herrliche Altstadt: von der Semperoper bis zur Frauenkirche.

Der Grenzübergang nach Tschechien in Bad Schandau: heute selbst mit Pferden völlig unproblematisch: wie schön wäre es, wenn alle weiteren Grenzen, die wir noch vor uns haben, eben so leicht zu überqueren wären.

In Tschechien wie in Sachsen kein leichtes Vorankommen und immer wieder Stress durch erheblichen Straßenverkehr selbst auf Nebenstraßen.

In Prag eine organisierte Begegnung mit Mongolen und schließlich erneut eine Grenze: Österreich liegt vor uns. Hier werden wir erwartet und sind nicht mehr ohne Geleit durch Österreichische Reiterfreunde. Ein enges, exakt durchorganisiertes Programm lässt uns kaum noch zur Ruhe kommen: Messeeröffnung in Hollabrunn, großer Empfang in Tulln, großer Empfang vor dem Wiener Rathaus, Ritt zum Stephansdom und beeinduckende Pferdeweihe durch den Dompfarrer vor hundert Passanten, Mittagsrast im Schloss Halbthurn und Ehrung durch Baronin Marietherese von Waldbot. Endlich Andau und Grenzüberschreitung nach Ungarn.

Morgen geht´s weiter. Pferde und Crew sind wohlauf und voller Tatendrang.

2. Mai 2005

Über 1300 km schon: wir sind in der östlichen, ungarischen Tiefebene. Die rumänische Grenze ist nicht mehr weit. Die Pferde fühlen sich sichtlich wohl, natürlich auch, weil es hier überall schon ausreichend frisches Gras gibt. Der häufige Regen, dem sie oft besonders nachts ausgesetzt sind, stört sie offensichtlich wenig.

Selten müssen wir hier am Rande stark befahrener Fernstraßen reiten, bessere Nebenstraßen oder gar unbefestigte Landwirtschaftswege gibt es immer häufiger, je weiter wir nach Osten vordringen. In den Dörfern abseits der Fernstraßen begegnen wir ständig freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Wo wir in Ermangelung freier Brachflächen keine Koppel für die Pferde errichten können, erbitten wir sie auf inzwischen privatisierten LPG’s und werden niemals abgewiesen. Stattdessen bietet man uns diverse Hilfen an, z.B. Duschmöglichkeit. Ein paar Tage am Balaton waren der Höhepunkt.

25. Mai 2005

Schon in Bulgarien und weit mehr als 2.000 km von Berlin entfernt. Es geht weiterhin gut voran und alles ist gesund.

Die Warnungen bezüglich hoher Kriminalität in Rumänien und Bulgarien haben sich bisher als überflüssig herausgestellt. Sicher ist das besonders deshalb so, weil wir uns weitgehend auf dem Lande aufhalten, Städte meist nur kurz berühren. Die Landbevölkerung ist überall sehr freundlich und hilfsbereit, aber diese Erfahrung habe ich ja bereits auf meiner ersten Expedition gemacht.

Trotzdem gibt es natürlich die kleinen Abenteuer – jeden Tag. Schließlich kommen wir überall unvorbereitet an. Irgendein Quartier müssen wir uns jeden Abend aufs neue suchen. Meist ist das in der freien Natur, abseits von Ortschaften oder an dessen Rand. Hier gibt es überall große Weideflächen, die den Anwohnern für ihr Vieh zur Verfügung steht. Niemand hat etwas dagegen, wenn wir dort unser Camp errichten und weil das Gras dort meist sehr kurz ist, wird die Koppel für Puschkin und Temujin besonders groß.

Nur einmal werden wir abgewiesen, als wir das Gras an einer Schule nutzen wollen. Ein riesiges Grundstück, völlig ungenutzt. Doch der noch junge Direktor möchte keine Tiere auf dem Schulgelände, er befürchtet, sie könnten Zecken einschleppen und damit die Kinder gefährden. Erst als er am Nachmittag seinen Schulalltag beendet hat und nach Hause gefahren ist, trauen sich die wenigen Kinder, die hier noch Schulunterricht erhalten, zu uns. Sie sind begeistert von dieser Expedition aus dem fernen Germania, lernen von uns ein bisschen Deutsch und wir im Gegenzug paar bulgarische Worte.

31. Mai 2005

Türkische Grenze!

Und Probleme bei der Einreise. Fast sind wir schon durch, als der Grenzveterinär mit den Europäischen Equidenpässen einschließlich der Impfbescheinigungen allein nicht zufrieden ist. Er besteht auf einem „International Health Certificate for Animals“.
Alle Bitten und Proteste helfen nicht, er hält uns sein türkisches Gesetzbuch unter die Nase. Dieses Papier, welches nur bescheinigt, dass die Pferde in Deutschland in einer infektfreien Zone lebten, muss ein Hohn sein, denn wir sind ja schon fast drei Monate durch verschiedene Länder unterwegs, in denen die Pferde theoretisch infiziert worden sein könnten. Doch dies interessiert diesen Beamten nicht.
Mit vielen kostenintensiven Telefonaten gelingt es mir endlich, per Fax ein „Veterinary Certificate“ aus Deutschland zu bekommen. Was man hier fordert, ist in Deutschland scheinbar völlig unbekannt. So hoffe ich, dass man dieses Papier nun anerkennen wird und mache mich erneut auf den Weg zur Grenze...
Immer wieder diese Probleme an den Grenzen, die unser schmales Reisebudget fressen und schon muss ich befürchten, die Expedition abbrechen zu müssen, weil das Geld nicht ausreicht. Verständnis haben die Beamten hier nicht und auch sicher nicht an den weiteren Grenzen.
Stattdessen erwarten sie illegale Zahlungen, wie wir während des langen Aufenthaltes beobachten konnten. Wer rechtzeitig einen Geldschein hinüberschiebt, ist schnell durch und wird nicht einmal kontrolliert.
Wer nicht dazu bereit ist oder gar nicht in der Lage wie wir, muss lange warten und mit „offiziellen“ Strafen rechnen. So standen unsere Pferde über 14 Stunden im Anhänger während dieser zurückgewiesenen „Abfertigung“ und das unter den Augen eines Veterinärs, der doch spätestens ein Herz für Tiere haben sollte!

Juli 2005

Ein mehrere Tage währender Kampf um die Einreise in die Türkei war entbrannt. Die türkischen Grenzbeamten erlaubten uns schließlich, innerhalb der Grenzkontrollstation mit den Pferden zu kampieren. Grasflächen gab es genug innerhalb der Umzäunung, abseits des Kontrollbetriebs. Und täglich ertönte mehrmals der Singsang des Muezzins vom Minarett der nahen Moschee.

Schließlich entwickelte sich die Aussicht auf Erfolg für eine Einreise, doch musste sicher gestellt sein, dass wir die Türkei auf der anderen Seite wieder verlassen würden. Also musste die Einreise in den Iran zweifelsfrei sein. Dies war das entscheidende Problem, denn im Iran fanden gerade Wahlen statt und der Gewinner der Wahl wurde schließlich ein Mann, der die politische Marschrichtung des Iran negativ beeinflusste. Eine Einreisegenehmigung dürfte zumindest vorläufig sehr in Frage gestellt sein. Doch schon hatten wir eigentlich zu viel Zeit verloren. Eine andere Lösung musste her.

Die konnte nur heißen, die Türkei und den Iran zu umgehen. Das war nur nördlich möglich: also zurück durch Bulgarien und Rumänien, um über die Ukraine, Südrussland und Kasachstan wieder auf die Seidenstrasse zu gelangen.

24.Juli 2005

Ja, ich traf noch alte Freunde in Ternopol (Iwan Woloschtschuk, Vladimir Wasiljewitsch und „Mama Konjuschnja“). Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß. Traditionsgemäß musste dies natürlich mit Wodka besiegelt werden.

In der Hauptstadt Kiew besuchen wir das russische und das kasachische Konsulat, um entsprechende Visa zu bekommen.
Die Russen bestehen auf dem kasachischen Visum, bevor sie bereit sind, uns das ihre zu geben.
Die Kasachen bestehen auf dem turkmenischen, erst dann wollen sie uns eines geben. Doch der kasachische Konsul lässt sich überzeugen, dass dies endlos so weitergehen würde und lässt sich erweichen. Er gibt uns eines für 60 Tage. Nun dürfte dem russischen Visum nichts mehr entgegenstehen und wir hoffen, in den nächsten Tagen die Ukraine verlassen zu können.
Neuer Mut beseelt uns und wir freuen uns auf das Reiten durch die kasachischen Steppen.

14. August 2005

"Neue Kommunikationsprobleme via Satellit"

Weitere Satelliten kamen hinzu, um weltweit keine Lücken mehr zu haben. Das bedeutet, Neukonfiguration aller Sat-Modems. Doch unser Modem reagiert nicht. Der Sponsor CPN aus Oestrich-Winkel reagiert sofort und schickt uns ein neues zum Austausch nach Kiew/Ukraine. Dort landet es im Zoll und man verlangt zur Freigabe 300USD Gebühren. Die kann ich nicht bezahlen und dies ist auch nicht legal. Der Einspruch der deutschen Botschaft bleibt erfolglos, das Gerät geht zurück. Nun hoffen wir, daß ein neuer Versuch in Almaty/Kasachstan gelingt und wir dann auch wieder von überall Texte und Bilder senden können.
Geraten wir unterwegs in Probleme, tauchen immer wieder unvermittelt hilfreiche Engel auf.

1. Engel in Kiew heißt Vladimir Nikolajewitsch-Gerun. Er hilft uns in vielen Dingen, denn er ist Chef-Veterinär vom Hippodrom in Kiew, wo wir einige Tage mit unseren Pferden zu Gast sind.

2. Engel Pawel Pascha, ein angehender, äußerst begabter Doktor für Kieferchirurgie. Er war einige Zeit beim DRK und beim ASB in Mannheim und spricht gut Deutsch. So konnte er uns bei einem Problem helfen, das meine Begleiterin ereilte und vermittelte uns an den
3. Engel: Konstantin Vladimirowitsch Danilowski, einen noch sehr jungen Kieferchirurgen, der nach modernsten Methoden arbeitet und schnell die Lösung fand. Wer jemals in Kiew Zahnprobleme bekommt, sollte nach der Zahnklinik "Darlin" fragen. Adresse: 02100 Kiew, ul. Popudrenko d. 18, Tel. 044-5520247."

2. September 2005

Ein irrer Trip - eine Odyssee bislang!
Eine Reise mit vielen lehrreichen Erfahrungen –Und eine Reise, die an den Nerven zerrt. So sieht die erste Etappe der Expedition aus:

Von Berlin über Prag und Wien, durch Ungarn nach Rumänien. Das war noch leicht, die Grenzen unproblematisch. Dann durch Rumänien und Bulgarien an die türkische Grenze. Hier begannen die großen Probleme, die schließlich zur Neuplanung der „Heimkehr des Dschingis Khan“ führten.
Nicht wie vor 800 Jahren, als Dschingis Khans Horden keine Grenzen fanden oder sie einfach ignorierten, ist eine Reise mit Pferden möglich, sondern gespickt mit Bergen von Papieren und Dokumenten. Die Tiere werden dabei gar nicht beachtet. Wichtig sind für die Behörden allein die richtigen Dokumente nach exakten Vorschriften mit den entsprechenden, amtlichen Stempeln.
Ein riesiger Umweg ist es, den wir akzeptieren müssen, um an unser Ziel zu kommen: Von der türkischen Grenze wieder zurück nach Norden durch Bulgarien und Rumänien.
Im Norden Rumäniens möchten wir nach Ungarn, um neu zu organisieren. Doch an jenem Grenzübergang gibt es keinen Veterinär, also zurück nach Süden zum einzigen Rumänisch-Ungarischen Grenzübergang mit Veterinär.
Mit den vorhandenen Papieren aber dürfen wir nicht zurück in die EU. Also direkt in die Ukraine, um von dort über Russland und Kasachstan auf unsere geplante Route zu stoßen.
Die Ukraine schaffen wir noch. An der russischen Grenze jedoch werden wir vorläufig endgültig gestoppt: auch Russland hat sich inzwischen den neuen EU-Vorschriften angepasst.
Um neue Dokumente zu bekommen, müssen die Pferde zurück nach Deutschland. Doch wie schon an der ungarischen Grenze erfahren, ist dies besonders schwer. Weil sie mehr als 30 Tage außerhalb der EU waren, gilt es nicht mehr als „vorübergehende Ausfuhr“. Außerdem waren sie in Rumänien, einem „Risikoland“.
Na ja, an sportliche Veranstaltungen, die mit Ein- und Ausfuhr der Tiere höchstens einen Monat dauern und an Im- und Export von Tieren haben die Brüsseler Gesetzesschmiede wohl gedacht, doch nicht an langfristige Expeditionen mit Tieren.
Mit viel Nachsicht seitens der Veterinär-Behörden in der Ukraine, Polens und Deutschlands und mit dankenswerter Unterstützung der deutschen Landwirtschafts-Vertretungen in Moskau, Kiew und Warschau nach langem, nervenaufreibendem Kampf und viel Geduld stimmt man schließlich einer Rückführung zu, aber mit schweren Auflagen:
90 Tage Quarantäne mit Bluttest am Anfang und erneut am Schluss dieser Zeit. Da es aber noch keine Quarantänestation innerhalb der EU gibt, dürfen die Pferde auf ihrer Heimatkoppel stehen, isoliert von anderen Tieren.

Nun sind wir wieder, alle wohlbehalten, daheim. Die erste Blutentnahme ist erfolgt, das Blut in einem Labor. Doch was ist, wenn wirklich irgendein Virus gefunden wird?
Tötung der Pferde wurde für diesen Fall angedroht!
So zittern wir nun vor dem Ergebnis und beten fast ununterbrochen inbrünstig. Denn keineswegs abgebrochen werden soll diese Expedition – es muss weitergehen!

Dafür will ich kämpfen!

11. Januar 2006

Lange ist es her, ich weiß...

Und natürlich war ich nicht untätig oder bin ob der ständig neu auftretenden Probleme lethargisch geworden. Ich kämpfe weiter für die Verwirklichung meiner Idee – Tag für Tag... Eines der größten Probleme ist bereits beseitigt: Puschkin und Temujin sind nach wie vor gesund!

Der Bluttest bei Beginn der verhängten 90-tägigen Quarantäne („wegen illegaler Einfuhr aus Rumänien“!) ergab: keine nachweisbaren Viren. Getestet wurde auf fünf gefährliche Pferdekrankheiten.
Die Quarantäne durfte nach Prüfung des Geländes durch das Veterinäramt auf der Heimatkoppel meiner Pferde durchgeführt werden, denn ringsum bestand keine Gefahr des Kontaktes mit anderen Tieren.
Natürlich durften sie während der 90 Tage die Koppel nicht verlassen, andernfalls drohte mir verständlicherweise eine empfindliche Geldbuße.

Klar, dass die Pferde während dieser Zeit einen Großteil ihrer Kondition verloren. Vielleicht, weil wir alle so kooperativ waren und uns brav an die Auflagen hielten, verzichtete man auf den zweiten Bluttest und beschränkte sich auf eine Abschlussuntersuchung. Die ergab ebenfalls, dass beide Pferde offensichtlich den ersten Teil dieser Expedition kreuz und quer durch Osteuropa ohne irgendeine Infizierung überstanden hatten.

Wir alle durften aufatmen, denn andernfalls drohte uns ja nicht nur eine Anklage, sondern vor allen Dingen die Tötung der Pferde...
Jetzt also wieder Ausritte und damit langsamer Konditionsaufbau, denn der Neustart ist nicht mehr fern. Sobald der härteste Teil des Winters vorüber ist (ich hoffe auf Anfang März), sollen die Pferde zum Punkt des vorjährigen Abbruchs zurückgebracht werden und dort wird erneut gestartet...

Februar 2006:

scheitert die „Heimkehr des Dschingis Khan“?

Ein Schock!: Daimler-Chrysler kündigt den Sponsoring-Vertrag, das Versorgungsfahrzeug wird eingezogen! Verzweifelt versuche ich, Ersatzsponsoren zu finden, die mich in die Lage versetzen, das Fahrzeug anzukaufen. Ein monatelanger Kampf zwischen Hoffnung und Enttäuschung, für mich ein wahrer Nervenkrieg.
Jedoch, es gelingt nicht. Das Fahrzeug ist verloren, die Expedition kann nicht erneut starten.

Aber aufgeben möchte ich diesen Plan nicht. Zwar ist die 800-Jahr-Feier im Jahr 2006 für uns verloren und damit Temujins Start beim Rennen zu diesem Anlass, doch vielleicht hat es hierbei das Schicksal einfach gut gemeint? Vielleicht hätte er dieses Rennen nicht gesund überstehen können oder wäre gar dabei gestorben wie so manches Pferd schon zuvor?

Es fällt so schwer, loszulassen. Doch scheint dies wohl notwendig zu sein, um vielleicht doch noch eine erneute Chance zu bekommen – irgendwann... Jetzt heißt es jedenfalls zunächst wieder finanziell auf die Beine zu kommen, um möglichst bald erneut starten zu können: zur 2. Etappe der „Heimkehr des Dschingis Khan“.

Juli 2006:

Platzwechsel

Mein Leben scheint einem Rhythmus zu folgen, ähnlich dem Auf und Ab eines Meeres. Manchmal habe ich das Gefühl, für Rückschläge irgendwann mit Glück entschädigt zu werden und umgekehrt.

Im Rheingau habe ich inzwischen materiell alles verloren. Nicht, wie Viele glauben, meiner Abenteuerlust wegen, sondern ganz einfach wegen des Niedergangs meines Berufstandes und wegen Fehlinvestitionen beim Versuch der Rettung meiner Firma. Nun bindet mich dort nichts mehr wirklich und ich gehe auf die Suche nach einem neuen Betätigungsfeld irgendwo.

Wieder hilft der Zufall – oder was ist es sonst? Lenkung vielleicht? Das bekannte Auf und Ab...
In der Fränkischen Schweiz hat sich eine junge Frau einen Reiterhof aufgebaut. Mit erstaunlicher Kraft und Ausdauer einen bemerkenswerten und vielbesuchten Platz der Ruhe und Entspannung für Reitgäste aus Nah und Fern geschaffen. Inzwischen kann sie nicht mehr alles allein bewältigen und sucht Unterstützung.

Vielleicht kann das ja mein zukünftiger Platz sein? Nach nunmehr fünf Monaten auf diesem Hof bin ich sicher. Hierher passen meine Pferde und ich hin und Bettina Borst, die Besitzerin, glaubt das auch.

Seelisch und finanziell wieder auf die Beine zu kommen, ist nun das Ziel und plötzlich fällt es mir leicht, dieses Ziel zu verfolgen. Häufiges Training für die Pferde ist jetzt leicht möglich und geschieht quasi nebenbei: als Vorbereitung zur 2. Etappe der „Heimkehr des Dschingis Khan“ vielleicht im Jahr 2008?